Sie sind hier: Startseite -> Skisport / Snowboard -> Skispringen -> Skifliegen

Skispringen und Skifliegen

Skifliegen: ein eigener Bewerb

Während das Springen von der Normalschanze und der Großschanze eine lange Tradition hatte, war das Springen von der riesigen Flugschanze erst später in den Weltcupzirkus integriert worden. Die Grenze zwischen Springen und Fliegen ist fließend, denn einige Großschanzen bieten durch den V-Stil Weiten von 140 und mehr Metern und dabei kann man schon von einem Flug sprechen, auch wenn eine Großschanze eingesetzt wurde.

Skifliegen und Flugschanzen

Skifliegen SkiflugbewerbeGemeint ist beim Skifliegen aber der Sprung von einer riesigen Anlage, wie es sie in Oberstdorf, in Harrachov, in Vikersund, am Kulm in der Steiermark oder in Planica gibt. Aus Sicherheitsgründen hatte es von der FIS, dem Weltverband, das Verbot gegeben, die Schanzen weiter auszubauen oder neue Schanzen zu bauen und neue Weltrekorde wurden auch nicht anerkannt. Mittlerweile ist man längst davon abgerückt. Als man sich darauf verständig hatte, den Weltrekord einzufrieren, stand er bei 191 Meter und wurde von Matti Nykaenen aus Finnland und Andreas Felder aus Österreich gehalten. Wer weiter flog, flog 191 Meter. Als Jan Bokloev den V-Stil erfand, wurde das Skifliegen sicherer, denn durch die breit auseinandergestellten Skier konnten die Skiflieger viel besser sehen, wohin sie flogen und die Landung wurde sicherer.

Der große Unterschied zwischen einer Flugschanze und einer Sprungschanze ist vor allem die Dimension und damit die Geschwindigkeit, mit der man wegspringt. Springt man normalerweise mit 90 km/h ab, erreicht man bei der Flugschanze 105 km/h und mehr. Damit sind auch viel größere Weiten möglich. Durch den V-Stil wurde zudem die Weite auch bei normalen Anlagen erhöht, im Skifliegen ging es nun noch viel weiter.

Sicherere Schanzen und Weitenjagd

Es war etwas Besonderes, als die ersten über 200 Meter fliegen konnten, vor allem in Planica. Die Flugschanze in Planica samt größerer Dynamik der Springer und dem V-Stil ergab die Option, die magische 200 Meter-Marke zu übertreffen. Andi Goldberger war der erste, er konnte den Flug aber nicht stehen. Durch neues Profil und damit veränderter Charakteristik des Flugs konnte man in Planica in der Folge sehr leicht die 200 Meter übertreffen.

Die Folge war, dass die meisten Skispringer des Weltcups die Marke von 200 Meter überfliegen konnten, die meisten in Planica, der lange Zeit größten Flugschanze weltweit. Allerdings sind die anderen Flugschanzen ausgebaut worden, sodass ein neuer Flugrekord auch an anderen Orten in den nächsten Jahren denkbar wurde. Ein Grund sind strengere FIS-Regeln für die Charakteristik der Flugschanzen, weshalb zum Beispiel der Kulm in Bad Mitterndorf umgebaut werden musste und es entstand die gigantische Anlage in Vikersund, um den Weltrekord von Planica (239 Meter) holen zu können, was auch gelang. Selbst am Kulm sind Flüge bis 240 Meter bereits möglich.

Aktuell (Stand März 2017) liegt der Weltrekord bei 253,5 Meter, aufgestellt in Vikersund von Stefan Kraft aus Österreich. Schon davor war der Weltrekord im norwegischen Vikersund mehrfach übertroffen worden. Weit fliegen kann man aber weiterhin auch in Planica, andere Flugschanzen wie jene in Oberstdorf können bei diesem Rennen nicht mithalten und haben noch eine ältere Charakteristik.

Beim Skifliegen sind die Athleten aufgrund der viel größeren Schanze mit höherer Geschwindigkeit unterwegs, womit aber auch das Risiko steigt - vor allem bei starkem Wind. Die Athletik der Springer, das moderne Material, aber auch die besseren Windmessungen sprechen dafür, dass man die Sicherheit deutlich verbessert hatte, schwere Stürze können aber immer noch vorkommen.

Skifliegen und Weltcup

Von der Durchführung her funktioniert das Skifliegen wie beim normalen Skispringen, aber es gibt nicht 50 Startplätze im ersten Durchgang, sondern nur 40. Eine Sonderregelung ist in Planica erfolgt, weil dort oft das Weltcupfinale im März stattfindet. Ist dem so, gibt es nur noch 30 Startplätze und zwar ohne Qualifikation, denn die besten 30 im Gesamtweltcup haben dann ihr fixes Ticket für den Bewerb.

Besonderheiten beim Skifliegen

Das Skifliegen bringt die Skispringer dem Traum der Menschen vom Fliegen sehr nahe. Im Gegensatz zum Skispringen, das nach wenigen Sekunden Luftfahrt beendet ist, fliegt man bei guten Bedingungen und gutem Sprung tatsächlich einige Sekunden mehr und hat ein Gefühl von Freiheit und Grenzenlosigkeit.

Der Unterschied zum Skispringen ist nicht nur durch die Länge des Fluges gegeben, auch der Charakter an sich ist ein anderer und damit die Voraussetzungen. Natürlich springt man mit höherer Geschwindigkeit ab, wofür die gigantischen Flugschanzen verantwortlich sind. Geschwindigkeiten über 100 km/h sind nötig, um am Vorbau an Höhe zu gewinnen. Das ist beim Skispringen auch so, doch dann gilt es, diese Kraft zu nützen, um Weite zu gewinnen.

Beim Skifliegen ist der kräftige Absprung wichtig, aber nicht das absolute Maß für eine große Weite. Wer die Thermik gut ausnützen kann und ein Fluggefühl hat, kann in der Luftfahrt noch viele Meter herausholen, während ein schwacher Absprung beim Skispringen bereits darüber entscheiden kann, ob man überhaupt weit zu springen vermag.

Gerade die letzte Phase der Luftfahrt entscheidet im Skifliegen über Erfolg und Misserfolg. Gute Flieger heben dabei oft noch deutlich vom Boden ab und gewinnen so an Höhe, wodurch erst die großen Weiten erreichbar sind. Tatsächlich ist oft eine Flugkurve zu erkennen, bei der sich die Skispringer zwei Drittel des Fluges nur knapp über dem Boden befinden und erst in dem letzten Flugdrittel heben sie vom Boden richtig ab und fliegen dann noch viel weiter, als man es bis etwa 160 Meter hätte annehmen können.

Diese völlig veränderte Flugkurve, die natürlich auch von Springer zu Springer unterschiedlich sein kann, führt zu einer zusätzlichen Faszination, weil auch das Fernsehbild zeigen kann, wie der einzelne Mensch, unterstützt durch seine beiden Skier, immer höher steigt und erst weit jenseits der 200 Meter landet. Auch wenn man selbst nicht mitfliegt, kann man das Gefühl der Spitzensportler sehr gut nachvollziehen.

Ebenfalls interessant:

Skispringen Schanze

Details über die Sprungschanze als Grundlage des Skispringens mit den verschiedenen Schanzentypen von Normalschanze bis Flugschanze.

Skispringen Sprung

Wie wird der Sprung im Skispringen wirklich durchgeführt - mit den Phasen vom Abstoßen über den Absprung bis zur optimalen Landung im offiziellen Wettbewerb.

Skispringen Ablauf

Grundlagen über den Ablauf beim Skispringen von der Qualifikation bis zum zweiten Durchgang und der Ermittlung des Gewinners.

Skispringen Punktewertung

Grundlagen über das Skispringen und die Punktewertung von den Haltungsnoten über die Windpunkte bis zu den Gatepunkten.

Skispringen Wind

Grundlagen über den Wind als Störfaktor beim Skispringen und auch als gefährlicher Begleiter von Skispringen und Skifliegen.

Skispringen Schanzengröße

Überblick über die verschiedenen Dimensionen der Sprungschanzen für das Skispringen von der Normalschanze bis zur Flugschanze.

Vierschanzentournee

Überblick über die Vierschanzentournee beim Skispringen, die vor Silvester beginnt und zwei Schanzen in Deutschland und Österreich enthält.

[aktuelle Seite]

Skifliegen

Das Skifliegen als eigener Bereich des Skispringens mit Weiten jenseits der 200 Meter und eigenen Flugschanzen.

Skispringen Weltcup

Grundlagen über den Weltcup im Skispringen als jährlicher Wettbewerb mit 25 bis 30 verschiedenen Sprungveranstaltungen.

Skiflug-WM

Details über das Skispringen und die Skiflug-WM als eigene Veranstaltungen mit Einzelbewerb und Teambewerb.

Soziale Medien

Wir freuen uns, wenn dieser Artikel geteilt wird:

Themenliste:

Zurück zum Hauptthema

Übersicht Skispringen

Startseite Skisport