Es ist schon interessant, dass der Lauf über die 100 Meter so im Fokus der Medienöffentlichkeit steht. Gerade bei den Männern sind die Zeiten unter 10 Sekunden gedrückt worden und das bedeutet, dass es große Vorberichte gibt und dann laufen die Favoriten ihre 9 - 10 Sekunden und das Rennen ist vorbei und die Nachberichte beginnen.
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Die große Bedeutung beim Sprint über 100 Meter hat wohl damit zu tun, dass es spektakulär ist, die Männer mit ihren Muskelpaketen zu sehen, wie sie ihren menschlichen Körper auf eine hohe Endgeschwindigkeit zu beschleunigen vermögen. Geschwindigkeiten über 30 km/h sind dafür notwendig und das ist eine Geschwindigkeit, die man bei einer Hobbyfahrt mit dem Fahrrad nur mit Mühe und Einsatz erreichen kann. Die Sprinter sind aber immer so schnell unterwegs.
Ob es nun die Leichtathletik-Weltmeisterschaften sind oder die olympischen Sommerspiele - der Bewerb über 100 Meter Sprint zählt zu den Highlights, obwohl es viele andere Bewerbe gibt, die die gleiche Anerkennung verdient haben oder vielleicht sogar noch mehr. Wenn man an die Anforderungen beim Zehnkampf denkt - oder bei den Frauen den Siebenkampf - wo verschiedene Qualitäten gefragt sind, um erfolgreich sein zu können, dann ist das schon seltsam. Denn der Sprint ist bei Publikum wie Berichterstattung das große Thema.
Auch die mediale Auseinandersetzung der Favoriten ist hier stärker ausgeprägt als bei anderen Rennen, was natürlich auch damit zu tun hat, dass von den Printmedien über die Fernsehstationen bis zu Radiokanälen alle an diesem Rennen besonders interessiert sind. Dabei ist die Geschichte nach ein paar Sekunden wieder erledigt, doch beim nächsten Großereignis geht die Diskussion von neuem los. Die Bedeutung dieser Strecke ist auch bei Frauen bemerkenswert, bei den Männern aber schon außergewöhnlich.
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Und auch wenn es einen klaren Favoriten gibt, bleibt die Spannung hoch, denn es geht nicht nur um die Frage, wer die 100 Meter gewinnt, sondern auch darum, ob vielleicht ein neuer Weltrekord möglich sein könnte. Und damit ist man beim "Höher, weiter, schneller"-Prinzip, das den Menschen seit jeher fasziniert und antreibt und das könnte der Hauptgrund sein, warum gerade der Sprint über 100 Meter so beliebt ist.
Auch das Rennen der Damen wird intensiv verfolgt, doch jenes der Herren wird über diesem gestellt. Das ist nicht ganz fair, denn die Damen bieten auch eine beeindruckende Leistung, aber so ist es seit Jahrzehnten.
Viele Leichtathletinnen und Leichtathleten würden gerne am Rennen über 100 Meter bei den Olympischen Sommerspielen teilnehmen, aber das würde den Rahmen sprengen. Daher gibt es Spielregeln, wie ein solches Rennen durchgeführt werden soll und kann und das beginnt bereits bei der Qualifikation.
Dabei unterscheidet man die Dimension des Rennens. Bei den Olympischen Sommerspielen und auch bei Weltmeisterschaften ist das Teilnehmerfeld bei Frauen und Männer im Sprint über 100 Meter sehr groß und daher gibt es eine Vorausscheidung, die national erfolgt. Das Kriterium ist, dass jeder Verband nur eine bestimmte Anzahl an Plätze zur Verfügung hat und außerdem vorgibt, welche Leistung man erbringen muss, um sich zu qualifizieren. Wenn ein Verband vorgibt, dass zum Beispiel die Herren eine Zeit von 10,2 erreichen müssen, um zu den Spielen mitgenommen zu werden, dann bedeutet dies, dass man die Zeit in einem Bewerb vor den Olympischen Spielen auch wirklich erreichen muss. Damit wird der Beweis erbracht, dass man konkurrenzfähig ist und es wird ausgesiebt, wer mitfahren darf und wer nicht.
Nachdem das Feld für ein lokales oder internationales Leichtathletik-Meeting, für Europameisterschaften oder Weltmeisterschaften oder eben auch für die Olympischen Sommerspiele geklärt ist, wird je nach Teilnehmergröße in Runden agiert. Bei den Großereignissen bedeutet dies meist, dass es eine erste Runde gibt, bei der acht Frauen bzw. Männer antreten und die schnellsten in die Zwischenrunde aufsteigen.
In der Zwischenrunde wiederholt sich das Spiel, um sich für das Halbfinale qualifizieren zu können. Auch hier werden wieder die schnellsten Läuferinnen bzw. Läufer gesucht, die die acht Plätze für das Finale bestücken. Für jene, die das Ziel nicht erreichen können, ist das Rennen umgehend vorbei. Wer also in der ersten Runde zu langsam war, kann seine Sachen packen.
Im Finale stehen dann die schnellsten Läuferinnen bzw. Läufer. In der Mitte des Feldes befinden sich diejenigen, die die schnellsten Zeiten in den vorherigen Läufen gezeigt haben, die Außenbahnen werden von jenen benutzt, die langsamere Zeiten erreicht hatten. Letztlich entscheidet das Finale, wer siegreich ist bzw. im Falle von EM, WM und Olympischen Spielen auch, wer Gold, Silber und Bronze gewonnen hat.
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Beim 100 Meter Sprint gibt es drei technische Phasen. Je besser man diese beherrscht, umso erfolgreicher kann man die Wettkämpfe auch bestreiten. Die erste Phase ist der Start, die zweite Phase ist die Beschleunigung bis zur Höchstgeschwindigkeit und die dritte Phase ist das Halten der Geschwindigkeit bis ins Ziel.
Der Start beginnt schon mit der Vorbereitung im Startblock. Dadurch wird der Laufschritt vorsimuliert und der Körper in eine tiefe Lage gebracht. Das hat den Vorteil, dass man beim Start sich einerseits vom Startblock abstoßen kann, zum zweiten hat man wenig Luftwiderstand und kann aus dem Aufrichten des Körpers Energie schöpfen, um die Geschwindigkeit weiter zu steigern.
Nach dem erfolgreichen Start beginnt die Beschleunigung zur Höchstgeschwindigkeit. Bei den Herren werden Zeiten unter 10 Sekunden gelaufen. Wenn man dies auf 100 Meter berücksichtigt und hochrechnet, kommt man auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von über 36 km/h. Durch den Start passt diese Angabe aber nicht, weshalb die Höchstgeschwindigkeit noch höher liegt, um die Zeit und den Schnitt überhaupt erreichen zu können.
Das Kriterium schlechthin ist aber nicht die Höchstgeschwindigkeit, sondern die Fähigkeit der Teilnehmer, diese möglichst lange zu halten - optimalerweise bis ins Ziel. Es gibt Läuferinnen und Läufer, die auf den letzten 30 Meter scheinbar immer schneller werden - in Wirklichkeit werden die anderen meist langsamer und diese eine Läuferin bzw. dieser eine Läufer hält hingegen seine hohe Geschwindigkeit. Andere sind sehr gute Starter, verlieren aber am Ende viel an Geschwindigkeit, können vom Vorsprung nach dem Start aber profitieren.
Erfolgreich ist beim Sprint über die 100 Meter, wer alle drei Phasen gut beherrscht. Beherrscht man sie sogar sehr gut, dann kann auch ein Rekord möglich sein.
Die eigenen Stärken und Schwächen prägen sich bei den Sprinterinnen und Sprintern unterschiedlich aus. Es gibt Läufer, die vom Start bis ins Ziel sehr gleichmäßig unterwegs sind. Sie sind nicht die schnellsten Starter, verlieren aber auch nicht übermäßig an Höchstgeschwindigkeit, wenn die letzten 30 Meter zu laufen sind.
Und dann gibt es andere, die enorm schnell starten können und mit Vorsprung den Lauf beginnen. Sie zehren von diesem Vorsprung, weil sie am Ende mehr an Geschwindigkeit verlieren. Ihre Stärke ist der Start, ihre Schwäche das Finish. Andere wieder haben Mühe beim Start, können aber auf den letzten 30 Metern viel Zeit gutmachen und agieren damit genau gegenteilig.
Die Spannung der Sprints basiert auch auf diesen unterschiedlichen Fertigkeiten. "Wird der Vorsprung nach dem Start reichen? Wird er den Rückstand nach dem Start aufholen können?" sind typische Fragen, die sich das Publikum stellt und aus denen heraus die Faszination für den 100 Meter Sprint zusätzliche Nahrung erhält. Das gilt vor allem für die Situationen, in denen sehr starke Läufer vergleichbare Leistungen erbringen können. Der eine kann beim Start punkten, der andere holt im Finale auf.
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Zusätzlich gibt es bei den Großereignissen auch taktische Möglichkeiten. Im Gegensatz zu anderen Turnieren und Sportarten, gibt es beim 100 Meter Sprint kein Freilos in der ersten Runde. Der Vorlauf muss von allen erfolgreich bestritten werden. Aber die Superstars laufen nicht voll - sie laufen 70 Meter sehr schnell, sehen dann, dass sie ohnehin fix qualifiziert sein werden und lassen es gut sein. Sie laufen dann praktisch nur noch aus und erreichen zum Beispiel bei den Herren eine Zeit von 10,1 Sekunden, obwohl sie 9,8 laufen könnten. Damit sparen sie einerseits Zeit, andererseits aber vor allem auch Kraft für die nächsten Runden.
Erst im Halbfinale werden ein wenig die Karten aufgedeckt, doch was die Teilnehmer wirklich leisten können, zeigen sie erst im Finale. Dann zählt es und dann treffen die Topstars aufeinander, die sich vorher in verschiedene Vorläufe, Zwischenläufe und Halbfinalläufe aufgeteilt hatten. Dann gibt es keine Taktik mehr, sondern man zeigt die beste Leistung, zu der man fähig ist. Nicht nur, um vielleicht eine Medaille zu gewinnen und um siegreich zu sein, sondern auch, um zu zeigen, dass man der Beste ist.
Das ist insofern spannend, als es sein kann, dass der Favorit für den Sieg in den bisherigen Läufen eher durchschnittliche Leistungen gezeigt hatte. Also geht die Spekulation los, ob er wirklich so gut in Form ist oder ob er diesmal nicht gewinnen kann. Das betrifft die Läufer untereinander und auch die Medien und das Publikum. Es kann eine sehr schnelle Zeit im Vorlauf zeigen, um seine Stärke zu demonstrieren oder auch eher mäßige Leistungen, um seine Stärke zu verbergen. Genaues weiß man nicht und das macht die Sache dann auch so spannend.
Das hat mit zwei Faktoren zu tun: Der erste Faktor ist der extrem dynamische Start. Bei einem 10.000 Meter Rennen wäre es fatal, mit soviel Kraft das Rennen zu beginnen, doch bei einem Sprint über 100 Meter hat man keine Zeit. Jede Hundertstelsekunde, die man beim Start verliert, muss man später aufholen und das später ist zeitlich stark beschränkt, weil man eben nur diese 100 Meter läuft.
Daher ist der Start schon fast das halbe Rennen und gleichzeitig darf man keinen Fehlstart riskieren. Beim erstmaligen Fehlstart gibt es eine Verwarnung, beim zweiten Fehlstart ist man auch schon ausgeschieden. Die Kunst, mit voller Kraft zu starten und keinen Fehlstart zu riskieren, fasziniert das Publikum enorm.
Und die zweite Besonderheit ist einfach das Erstaunen, dass ein Mensch so schnell laufen kann. Natürlich werden auch die Läuferinnen und Läufer bewundert, die 1.500 oder 10.000 Meter laufen können und dabei enorme Durchschnittsgeschwindigkeiten erreichen. Aber die Dynamik, die beim 100 Meter Sprint gezeigt wird, erkennt man dort nur bedingt. Das oft bemühte "Höher, weiter, schneller"-Prinzip offenbart sich beim Sprint über die 100 Meter viel deutlicher.
Besonders bei den Herren ist auch die Konkurrenz groß, sodass auch nationale Motivationen eine Rolle spielen. Vor allem in den USA und in Jamaika hat sich eine Sprint-Tradition herausgearbeitet und macht die Rennen noch spannender. Letztlich ist es auch Bewunderung, dass Millionen Menschen vor den TV-Geräten den Sprint betrachten und die Fähigkeit der Teilnehmer, die hohe Geschwindigkeit nach dem Start bis ins Ziel zu halten.
Wahrscheinlich ist die hohe Erwartungshaltung der wesentliche Grund, warum gerade der Sprint über 100 Meter der Männer so im Fokus steht. Bei 10.000 Meter kann ein Läufer auch einen Weltrekord anpeilen, aber es dauert fast eine halbe Stunde, bis man das Ergebnis zur Verfügung hat. Das bedeutet, dass man schon schnell erkennt, dass der Läufer schnelle Rundenzeiten erreicht, aber es entlädt sich die Spannung doch ein Stück weit bis zum Finale. Beim Sprint über 100 Meter hat man einen hohen Erwartungswert, einen dynamischen Start und sofort das Ergebnis. Da auch im Fernsehen Ergebnisse immer schneller gefordert werden, ist das vielleicht der Grund, warum diese Leistungen höher angesehen werden als zum Beispiel jene der Mehrkämpfer oder Marathonläufer.
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