Der Riesenslalom, der auch oft Riesentorlauf genannt wird, ist eine weitere Disziplin im alpinen Skizirkus neben dem Slalom, der Abfahrt und den neueren Disziplinen. Die längste Tradition weist der Slalom auf, der sich dadurch auszeichnet, dass die Tore nur durch eine Stange, mittlerweile durch eine Kippstange, dargestellt und positioniert sind. Die Abstände zwischen den Toren sind sehr eng gewählt, wodurch viele schnelle und dynamische Kurventechniken nötig sind, um einen Slalomdurchgang möglichst fehlerfrei und schnell bewältigen zu können.
Auf diesen Überlegungen fußt auch der Riesenslalom, wie er im alpinen Skisport gefahren wird. Riesentorlauf wird das Rennen vor allem in Österreich bezeichnet, international gilt Riesenslalom oder Giant Slalom als richtige Bezeichnung, aber selbst in Deutschland werden beide Begriffe abwechselnd eingesetzt.
Wie der Slalom wird der Riesenslalom in zwei Durchgängen ausgetragen und wie beim Slalom qualifizieren sich die besten 30 Läuferinnen oder Läufer für den zweiten Durchgang, bei dem dann in gestürzter Reihenfolge gefahren wird. Also der 30. des ersten Durchgangs startet als erster den zweiten Durchgang, der Schnellste aus dem ersten Durchgang als letzter.
Damit sind die Ähnlichkeiten zum Slalom aber auch schon aufgezählt. Denn es gibt viele Unterschiede zwischen Slalom und Riesenslalom. Die Tore im Riesenslalom werden nicht durch eine einzelne Kippstange repräsentiert, sondern durch ein richtiges Tor, das sich auch in der Farbe abwechselt, wie man es vom Slalom kennt. Das Tor besteht aus zwei Stangen, die durch ein rotes oder blaues Farbtuch verbunden ist. Die innere Stange, also jene, auf deren Seite die Skifahrer vorbeikommen müssen, besteht aus einer Kippstange, wie sie im Slalom verwendet wird, damit man diese berühren kann, was den Vorteil hat, dass man einen engeren Kurs wählen kann.
Die Tore sind im Riesenslalom weiter gesetzt als im Slalom, wodurch eine höhere Geschwindigkeit erreicht wird und außerdem ist die Zahl der Tore geringer als im Slalom. Dieser Faktor ist sehr wichtig, weil er für den Gesamtweltcup und überhaupt für die Entwicklung des alpinen Skisports zur zentralen Bedeutung wurde. Das werden wird weiter unten genauer besprechen. Generell gilt für den Hang, dass ein Höhenunterschied von mindestens 250 Meter gegeben sein muss, maximal 400 Meter bei den Frauen und 450 Meter bei den Männern.
Das Rennen im Riesenslalom setzt sich aus folgenden Phasen zusammen:
Wie beim Super-G gibt es eine Besichtigung und danach den jeweiligen Durchgang. Ein Trainingslauf wie im Abfahrtslauf findet nicht statt. Man muss sich also die Strecke und den Kurs einprägen, wobei es aber keine Sprünge wie im Super-G gibt. Geländeübergänge hat man aber sehr wohl zu berücksichtigen, wenn man an den Steilhang im Finale von Adelboden denkt.
Nach der Besichtigung wird der 1. Durchgang durchgeführt, wobei die besten sieben Rennläuferinnen oder Rennläufer die Startnummern eins bis sieben zugelost bekommen. Damit haben sie die besten Pistenvoraussetzungen. Sehr gute Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben die Startnummern 8 bis 15, danach wird nach Weltcupwertung und FIS-Punkte weiter aufgefüllt. Im ersten Durchgang können sehr viele Leute teilnehmen, aber nur 30 erreichen den 2. Durchgang. Das Ziel muss es also sein, unter diesen 30 platziert zu sein, wobei man mit einer sehr guten Zeit entsprechend weit vorn gereiht wird.
Es folgt eine Pause und die Besichtigung des 2. Durchgangs, wobei jetzt nur noch die besten 30 des Rennens startberechtigt sind. Gibt es zwei gleich schnelle auf Platz 30, dann sind sogar 31 am Start. Normalerweise hat man es mit 30 Frauen oder Männer zu tun und somit bekommt man fix Weltcuppunkte, weil es diese für die ersten 30 im Rennen gibt. Für junge Rennläuferinnen oder Rennläufer kann das sehr wichtig sein.
Im zweiten Durchgang wird in gestürzter Reihenfolge gefahren, also mit Platz 30 wird begonnen und Platz 1, die führende Person nach Durchgang 1, fährt als Letztes den Hang hinunter. Gewonnen hat, wer bei Summierung beider Fahrten die schnellste Zeit erreichen konnte, wobei man die Piste berücksichtigen muss. Nicht selten können Leute, die am Beginn des 2. Durchgangs optimale Bedingungen vorfinden, noch viele Plätze aufholen, während besser platzierte Teilnehmer im 2. Durchgang viele Plätze verlieren.
Als Marcel Hirscher seinen ersten Gesamtweltcup gewinnen konnte, gab es eine klare Trennung. Beat Feuz gewann viele Rennen in Abfahrt und Super-G, Marcel Hirscher in Riesenslalom und Slalom. So war auch der Plan des Weltverbandes, als man den Super-G in den 1980er-Jahren eingeführt hatte. Die schnellen Rennfahrer haben Abfahrt und Super-G, die Techniker hingegen Slalom und Riesenslalom, jedoch kam die Kombination noch dazu, die aber mittlerweile keine Rolle mehr spielt.
Aber schon vor Marcel Hirscher setzte ein ganz anderer Trend ein. Denn klassische Disziplinenfahrer wie Michael Von Grüningen mit Schwerpunkt Riesenslalom wurden zum Teil abgelöst von jenen Leuten, die vom Riesenslalom ausgehend mehrere Disziplinen wählten. Hermann Maier war einer, der diesen Trend vorlebt.
Er fuhr sehr gute Riesenslaloms, aber damit auch Super-Gs, bei denen die Technik vom Riesenslalom benötigt wird. So lernt man auch das Kurvenfahren für die Abfahrt, was zur Folge hatte, dass man mit Riesenslalom, Super-G und Abfahrt gleich drei Disziplinen abdecken konnte. Hans Knauss begann etwa als Riesenslalom-Experte und konnte später sogar als Abfahrer die Kitzbühler Streif gewinnen. Viele Fahrer haben diesen Weg gewählt, während der Slalom nicht berücksichtigt wurde, weil er zu speziell geworden war.
Anna Fenninger/Veit war bei den Frauen ebenso unterwegs, denn sie fuhr Riesenslalom, Super-G und Abfahrt, aber so gut wie keinen Slalom, obwohl sie sogar in der Kombination gewinnen konnte. Die letzten Jahre waren ebenfalls von Leuten geprägt, die ausgehend vom Riesenslalom die schnellen Disziplinen abdecken, allen voran Marco Odermatt aus der Schweiz.
Der Vorteil ist klar, denn man kann viel mehr Rennen bestreiten und damit auch deutlich mehr Punkte für die Gesamtwertung erzielen. Wer nur Slalom fährt, hat keine Chance, wer Slalom und Riesenslalom fährt, muss viele Rennen gewinnen, um siegreich sein zu können. Es zeigt sich also, dass die Kurventechnik des Riesenslaloms auch bei den schnellen Disziplinen von großer Bedeutung ist.
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Artikel-Thema:
Riesenslalom oder Riesentorlauf im alpinen Skilauf
Beschreibung: Der 🎿 Riesenslalom oder Riesentorlauf ist eine technische Disziplin im alpinen Skilauf mit ✅ zwei Durchgängen und vielen Richtungsänderungen bei hohem Tempo.