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Straßenrennen Rundfahrt

Das Etappenrennen des Radsports

Neben den Eintagesrennen gibt es auch die Etappenrennen, die als Rundfahrt definiert sind. Sie sind eigentlich eine Zusammenfassung von verschiedenen Eintagesrennen, denn jeden Tag - mit Ausnahme von Ruhetage - wird ein Teilstück, eine Etappe, gefahren. Am Ende gewinnt, wer die schnellste Zeit erreichen konnte, die sich aus der Zusammenführung aller Ergebnisse ergibt.

Radsport Rundfahrten: Inhalt

Etappenrennen bis zu drei Wochen

Die Rundfahrt kann dabei unterschiedlich definiert sind. Es gibt Rundfahrten, die aus drei Teilstücken bestehen, andere haben fünf Etappen und einige Rundfahrten sind für eine Woche konzipiert. Dazu zählt die sehr beliebte Tour de Suisse in der Schweiz, die Österreich-Radrundfahrt und viele weitere Straßenrennen, bei denen man eine Woche lang seine Leistung abrufen muss, um siegreich sein zu können.

Die Herausforderung bei der Rundfahrt besteht darin, dass man praktisch alles gut können muss: man muss ein guter Zeitfahrer sein, weil ein Zeitfahren bei den Rundfahrten immer eingebaut wird. Man muss gut die Berge hochfahren können und die Sprintqualität kann hilfreich sein, ist aber nicht ganz so wichtig wie zum Beispiel beim Eintagesrennen. Gerade die Kletterqualitäten und die Zeitfahrqualitäten spielen eine große Rolle.

Es gibt natürlich auch Rundfahrten, bei denen die Anforderungen im Zusammenhang mit der Kletterei nicht so wichtig sind, weil die Berge überschaubare Höhen haben. Das liegt mit der Geografie des Veranstalterlandes zusammen, denn im arabischen Raum muss man eher mit der Hitze klar kommen, Berge mit 2.000 Meter Seehöhe gibt es dort nicht. Bei der Österreich Rundfahrt macht es hingegen wenig Sinn, eine Siegchance zu erwarten, wenn man nicht klettern kann, weil hier gibt es fast um jede Ecke steile Berge.

Rundfahrt über mehrere Tage bis zu einer Woche

Abgesehen von der Österreich Rundfahrt, die das wichtigste Rennen auf österreichischen Boden ist und damit auch eine Basis für die jungen Fahrer im Radsport, gibt es noch eine ganze Reihe von Rundfahrten, die im Rahmen der World Tour angeboten werden. Manche sind einfacher gestrickt, weil das Profil flach ist, andere sind richtig anstrengende Rennen.

Ein paar dieser Rundfahrten werden hier kurz vorgestellt:

Tour Down Under

Die Tour Down Under in Australien findet üblicherweise in sechs Etappen statt und dauert damit fast eine Woche. Sie wird im Jänner gefahren und damit zwei Monate vor den ersten wichtigen Rennen in Europa wie Paris - Nizza oder Tirreno - Adriatico und bietet sich als Vorbereitungsrennen für die Radprofis an, die bei den späteren Rundfahrten erfolgreich sein wollen. Wintermantel braucht man keinen einpacken, denn es wird im australischen Sommer gefahren - in etwa zur gleichen Zeit, wenn die Tennisprofis in Melbourne über die hohen Temperaturen klagen.

Das Streckenprofil beinhaltet ein Zeitfahren und Flachetappen sowie Mittelgebirgsetappen, wie man sie von europäischen Rennen auch kennt. Auch eine Bergankunft wird immer wieder gerne eingebaut, sodass die reinen Sprinter zwar genug Möglichkeiten für Etappenerfolge haben, aber eine Chance auf den Gesamtsieg haben sie wohl nicht. Allrounder und Sprinter mit gewissen Bergqualitäten können hingegen um den Gesamtsieg mitwirken. Die Rundfahrt ist nicht übertrieben schwer, sie ist aber auch nicht topfeben.

Dass ein Andre Greipel in der Siegerliste zu finden ist und auch ein Allan Davis, der nun wirklich kein Bergspezialist ist und eher ein reiner Sprinter, zeigt, dass die Rundfahrt in Australien nicht zu den schwersten zählt.

Paris - Nizza

Das Etappenrennen führt gemäß seines Namens von der französischen Hauptstadt in Richtung Süden zum Mittelmeer, was bedeutet, dass zuerst flache Etappen gefahren werden und dann die Berge warten. Meist zum Abschluss gibt es ein Einzelzeitfahren, ehe der Sieger feststehen kann. Spannend bei diesem Rennen sind die Rahmenbedingungen. Nicht nur, dass die Etappen sich jedes Jahr ein wenig anders gestalten, gibt es auch den Faktor Wetter.

Es hat schon Austragungen gegeben, bei denen manche Berge gestrichen werden mussten, weil sie wegen Schneefahrbahn zu gefährlich waren und die gesamte Fahrt verlief im Regen oder bei leichtem Schneefall, was den Fahrern nicht wirklich gefällt. Es gibt aber auch Ausgaben mit 20 bis 25 Grad im Schatten, als wäre der Hochsommer ausgebrochen. Daher ist jede Ausgabe dieses Etappenrennens anders gestaltet.

Reine Sprinter haben ihre Mühe mit dem Profil, wenn sie den Gesamtsieg erringen wollen, denn die Fahrt über meist sieben Etappen beinhaltet in der Regel drei Bergetappen, die aber als Mittelgebirgsetappen eingestuft sind. Dabei können aber auch Bergwertungen der 1. Kategorie integriert sein, wie man sie von der Tour de France kennt, also die zweithöchst mögliche Wertung für einen Pass. Und somit sind reine Sprinter unterlegen, weshalb vor allem Bergfahrer bevorzugt sind. Auch das Wetter spielt eine Rolle - nicht jeder mag das kühle Wetter, wie es im März noch anzutreffen ist, vor allem im Einzugsgebiet der Alpen. Generell gibt es etwa gleich viele Möglichkeiten für Sprinter wie auch für die Kletterer, wobei Bergankünfte durchaus eingeplant sind.

Tirreno - Adriatico

Gefahren wird von der Westküste Italiens am thyrrenischen Meer zur Ostküste an die Adria und diese beiden Meere in ihrer Originalsprache ergeben auch den Namen des Rennens. Damit gibt es in Meeresnähe flache Etappen für die Sprinter und dazwischen Berge, wie man sie vom Giro d´Italia auch kennt und das ist dann ein Fall für die Kletterer, weshalb die Sprinter für einen Gesamtsieg so gut wie nie in Frage kommen. Das Rennen findet früh im Jahr statt, hat aber aufgrund der südlicheren Lage nicht die Probleme, die es bei Paris - Nizza immer wieder geben kann, wenn der Winter Einzug hält und Berge gestrichen werden müssen, da sie unpassierbar sind. Es kann kalt und feucht sein, abgesagt wird bei Tirreno - Adriatico eine Etappe oder ein Pass so gut wie nie.

Die Etappen in Meeresnähe sind ein Fall für die Sprinter und eigentlich zeigt sich das Streckenprofil ähnlich wie beim Giro d´Italia. Je näher man dem Meer kommt, desto flacher wird das Profil und umso mehr haben die Sprinter Chancen auf Etappensiege. Je näher man dem Landesinneren kommt, desto höher werden die Hügel, bis sie Berge sind, die durchaus anspruchsvoll sind. Es sind nicht die Berggiganten wie in Norditalien, wenn der Giro jedes Jahr entschieden wird, aber es kann auch Bergankünfte geben, bei denen 1.000 Höhenmeter am Stück zu überwinden sind und daher sind in der Gesamtwertung die Sprinter klar im Nachteil.

Katalonien-Rundfahrt

Ende März sind noch nicht alle Profis in Höchstform, das ist aber durchaus auch beabsichtigt, um dann beim Giro im Mai losschlagen zu können. Dennoch muss man schon ganz gut in Form sein, wenn man sich an diese Rundfahrt heranwagt, die offiziell Volta Ciclista a Catalunya heißt. Denn es gibt ähnlich wie bei der später stattfindenden Baskenland-Rundfahrt kaum flache Stücke und so gut wie keine echte Flachetappe. Das Rennen bietet viele Hügel und auch anspruchsvolle Berge. Als Vorbereitung für die großen Rundfahrten ist es daher ideal.

Die Berge bei der Katalonien-Rundfahrt können sich sehen lassen. Es gibt Hügel, die bei einfacheren Teilstücken überwunden werden und es gibt Berge der höchsten Kategorie, die ebenfalls am Programm stehen können. Eine Bergankunft auf fast 2.000 Meter Seehöhe ist dabei gar nicht so ungewöhnlich und macht diese Rundfahrt zu einer sehr schweren. Die Kletterer sind daher gefragt und nur solche Leute, die gut über die Berge kommen, haben auch eine reelle Chance auf eine Spitzenplatzierung in der Gesamtwertung. Interessant ist dabei, dass die Rennen sehr spannend verlaufen. Es gibt trotz der hohen Anforderungen knappe Zeitabstände, weil die meisten Profis noch im Aufbau sind und weil sie auch für spätere Ziele nicht alle Energie verbrauchen wollen, um der Konkurrenz Minutenabstände aufzuhalsen.

Baskenland-Rundfahrt

Offiziell heißt die Rundfahrt Vuelta Ciclista al Pais Vasco und findet meist in der zweiten Aprilwoche statt. Während die Sprinter und Allrounder die Eintagesklassiker in Belgien, Frankreich und in den Niederlanden in Angriff nehmen, wird im Baskenland geklettert. Es gibt einige Mittelgebirgsetappen und meist zwei Hochgebirgsetappen, die mit einem Zeitfahren ergänzt werden. Da es außerdem im April noch recht kühl in den Bergen sein kann, ist dies eine zusätzliche Anforderung, um erfolgreich zu sein.

Es gibt nicht die dramatische Bergetappe wie bei einer Vuelta oder einer Tour de France mit drei Bergen über 2.000 Meter Seehöhe, dazu sind die Berge im Baskenland auch nicht hoch genug. Aber es gibt schon Anstiege der 1. Kategorie, die anspruchsvoll sind und damit teilt sich das Feld rasch auf, wobei sehr viele Sprinter wird man ohnehin nicht antreffen. Für jene Fahrer ist die Rundfahrt einfach nicht geeignet, die anderen haben verschiedene Ziele. Für manche Fahrer ist es eine Chance, einen Erfolg bei einer Rundfahrt zu holen, bevor sie ihren Kapitänen auf den großen Rundfahrten helfen müssen, für andere ist es ein Aufbautraining, sei es schon für den Giro im Mai oder erst für die Tour im Juli.

Tour de Suisse

Die Schweizer Landesrundfahrt ist eine von zwei Vorbereitungsrundfahrten für die Tour de France. Die Dauphine Libéré ist die zweite. Die Tour de Suisse ist eine an sich schwere Rundfahrt, die seit 1933 für eine Woche gefahren wird, aber zu schwer darf sie nicht sein, weil sonst manche nicht teilnehmen. Siegreich sind hier oft Fahrer, die wissen, dass sie bei der Tour de France helfen werden müssen, während die späteren Favoriten sich eher zurückhalten.

Es gibt aber auch Ausgaben, in denen Allrounder gewinnen können, weil man die Streckengestaltung entsprechend gewählt hatte. Doch normalerweise muss man eine Bergziege sein, da es den einen oder anderen Berg als Bergankunft im Programm gibt und außerdem braucht man gute Zeitfahrqualitäten für die meist letzte Etappe. Manche geben hier alles, um die Rundfahrt zu gewinnen, da sie davor schon den Giro gefahren sind, andere, vor allem Favoriten für die Tour de France, nutzen die anspruchsvollen Profile der Tour de Suisse, um sich einzurollen.

Dauphiné Libéré

Was die französische Ausgabe betrifft, so handelt es sich ein Etappenrennen mit acht Teilstücken, also dauert sie einen Tag länger als eine Woche und wird in Südostfrankreich gefahren. Je nach Etappenplan entscheiden sich die Profis für die Tour de Suisse oder für diese Rundfahrt, wobei es auch davon abhängt, wie das Profil der aktuellen Tour de France aussieht. Denn im Rahmen der Dauphiné Libéré werden zum Teil die Berge der Alpen befahren, die ein paar Wochen später im Rahmen der Tour de France auch überwunden werden und damit hat man ein perfektes Training. Weichen die Etappenpläne zu weit ab, dann kann die Tour de Suisse interessant sein, abhängig davon, welche Berge dort gefahren werden.

Beim Streckenprofil gibt es wenig für die Sprinter zu holen. Es gibt hügelige Etappen mit Bergwertungen der 3. Kategorie und einige schwere Bergetappen, aber reine Flachetappen sind rar gesäht. Das Profil ist daher als schwer einzustufen, nur fährt man nicht drei Wochen, sondern eine Woche. Wer bei dieser Rundfahrt stark auftritt, ist damit automatisch im Favoritenkreis für die Tour de France zu finden. Teilweise werden Berge befahren, die höchste Ansprüchen genügen wie zum Beispiel der berüchtigte Mont Ventoux. Der Haken kann aber sein, dass man so viel Kraft für den Kampf um den Gesamtsieg lässt, dass später nicht mehr genug Energie für die Tour gegeben ist. Auch das zeigt die anspruchsvolle Rundfahrt.

Die große Herausforderung: Rundfahrt über drei Wochen

Ganz anders als bei flachen Etappenrennen sieht es bei den großen Rundfahrten aus. Zu diesen zählen drei Stück: der Giro d´Italia, der im Mai in Italien gefahren wird, die Tour de France, die im Juli in Frankreich angeboten wird und schließlich die Vuelta d´Espana, die im September in Spanien gefahren wird.

Alle drei Rundfahrten dauern jeweils drei Wochen und beinhalten hohe Berge, steile Anstiege, zumindest ein langes Einzelzeitfahren und verschiedene Etappen von Flachetappen über Mittelgebirgsetappen bis zu ganz schweren Bergetappen mit bis zu fünf Pässe an einem Tag. Hier sind vor allem die Kletterfähigkeiten gefragt und auch beim Zeitfahren sollte man keine Schwächen zeigen, um erfolgreich agieren zu können.

Dabei gibt es auch interessante Situationen, denn manche Fahrer sind unglaublich stark, wenn sie eine Woche ein Rennen bestreiten, selbst bei schwierigem Profil wie der Tour de Suisse oder der Baskenland Rundfahrt. Aber über drei Wochen sind sie kaum konkurrenzfähig, weil sie zumindest einen Tag mit Schwächeanfall haben, warum auch immer. Selbst gute Kletterer haben dieses Verhalten schon gezeigt.

Es gibt auch solche, die die erste Hälfte einer großen Rundfahrt (häufig Grand Tour bezeichnet) dominieren, aber zum Schluss fehlt die Energie und umgekehrt rollen sich andere lange ein und sind im Finale bei den Bergetappen kaum zu schlagen. Es sind auch verschiedene Taktiken möglich, wie man ein solch umfangreiches Rennen mit über 3.000 Kilometer Strecke anlegt.

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Straßenrennen RundfahrtArtikel-Thema:
Straßenrennen Rundfahrt
letztes Datum:
28. 06. 2019