Die Verteidigung hat in jeder Mannschaftssportart die Aufgabe, gegnerische Erfolge zu verhindern, was nicht immer gelingen kann. Auch im Fußballspiel ist das nicht anders. Der Gegner möchte Tore schießen und die eigene Verteidigung, die auch oft als Abwehr bezeichnet wird, soll dies verhindern. Dabei gibt es verschiedene taktische Varianten und auch unterschiedliche Spielweisen, abhängig von Mannschaft, Qualität und der aktuellen Spielsituation.
Ein wesentliches Werkzeug zum Eindämmen der gegnerischen Angriffe ist die Abseitsregel. Im Artikel zum Abseits haben wir bereits die Regel vorgestellt und auch den Begriff der Abseitsfalle. Dabei bedienen sich die Verteidiger der Möglichkeit, den gegnerischen Angreifer in die Abseitsposition zu locken, womit der Schiedsrichter, so der Spieler angespielt wird, per Pfiff den Angriff unterbindet. Ist die Abwehr gut eingespielt, kann man auch die gefährlichsten Stürmer deutlich entschärfen, auch wenn das nicht in jeder Aktion gelingen mag.
Eine stets gefragte Arbeit der Verteidiger besteht darin, auf besonders gefährliche Gegenspieler zu achten. Natürlich kann die Abseitsfalle helfen, aber mit den Prinzipien von Manndeckung und Raumdeckung muss trotzdem für Sicherheit gesorgt werden. Das Decken beschreibt das Bemühen der Abwehr, schon bei einer möglichen Ballannahme die gegnerischen Angreifer so zu stören, dass keine brauchbare Aktion daraus entstehen kann. Das wissen die Stürmer natürlich auch und versuchen sich zu lösen, teilweise ziehen sie sich sogar in das Mittelfeld zurück.

Die Grafik zeigt beide Varianten. Die linke Spielhälfte zeigt die blaue Mannschaft in der Offensive und die gelbe Mannschaft verteidigt mit der Manndeckung. Manndeckung bedeutet, dass man direkt beim Spieler auf diesen aufpasst und so sehen wir, dass der Verteidiger (4) auf den Stürmer (9) aufpasst, während sein Kollege (3) auf den Stürmer (8) acht gibt. Beide Verteidiger haben das Ziel zu verhindern, dass der jeweilige Angreifer überhaupt in die Nähe des Balles kommen können. Der blaue Mittelfeldspieler (6) führt den Ball und will die beiden Kollegen anspielen, doch sie sollen nie die Gelegenheit haben, zu einem Torerfolg zu kommen.
Anders verläuft es auf der rechten Spielhälfte. Jetzt greifen die gelben Spieler an und der Stürmer (9) steht frei am Platz. Die Verteidiger folgen ihm nicht auf Schritt und Tritt. Stattdessen wählen sie die Raumdeckung. Das bedeutet, wenn der Stürmer gefährlich wird, rückt ihm einer der Innenverteidiger naher, um seine Aktionen zu stören. Überspielt der Stürmer diesen Abwehrspieler, dann kommt sein Kollege und hilft aus - falls er schnell genug ist.
Die Raumdeckung bedeutet daher, dass man im Raum für Abwehraktionen sorgt, während bei der Manndeckung direkt ein Gegenspieler bedrängt wird. Welche Variante besser ist, um die Gefahren zu reduzieren, hängt von den tatsächlichen Spielern und der taktischen Vorgabe des Trainers ab.
Eine weitere Option besteht in der Doppeldeckung, bei der sich gleich zwei Spieler um einen Gegenspieler kümmern. Das können zwei Verteidiger sein, die einen besonders gefährlichen Stürmer neutralisieren wollen, aber das kann auch im defensiven Mittelfeld passieren, um einen Spielmacher auszuschalten. In den Spielkommentaren spricht man auch oft vom Doppeln, was die gleiche Bedeutung hat.
Seit Einführung der Viererkette hat man es zur Kunst gemacht, zu verschieben. Verschieben bedeutet im Sinne der Abwehrreihe (auch bei einer Dreierkette), dass man sich seitlich umorientiert, wenn der Gegner angreift. Greift er aus Sicht der Verteidiger von links an, dann orientiert sich die Abwehrkette auch nach links, um den Raum enger zu gestalten. Spielt der Gegner den Ball nach rechts und versucht es von dort, verschiebt die Abwehrkette ebenfalls nach rechts.
Eine häufige Aktion ist die Kopfabwehr, was vor allem bei hohen Bällen nötig ist. Gibt es eine Flanke von der Seite oder als weiten Abschlag aus der anderen Spielhälfte, dann versucht der Abwehrspieler per Kopf den Ball aus dem Gefahrenbereich zu bringen. Deshalb sind Abwehrspieler meist auch sehr großgewachsene Akteure. Die Kopfabwehr ist speziell nach einem Eckball oder indirekten Freistoß gefragt.
Das Verteidigen ist zwar den Abwehrspielern hauptsächlich angelastet, aber verteidigt wird bereits im Mittelfeld, um Gegenangriffe zu minimieren. Es kann aber auch die Taktik ausgegeben werden, dass die ganze Mannschaft mauert. Mit Mauern ist gemeint, dass man sehr tief steht und die Spielanlage so gestaltet ist, dass man die meisten eigenen Spieler in der eigenen Hälfte aufstellt. Das ist die Taktik, die oft ein Außenseiter wählt. Damit werden die Räume eng gemacht und der Favorit kann nicht so kombinieren, wie er das gerne will.
So hofft man, möglichst lange kein Tor zu kassieren und wartet selbst auf mögliche Konterangriffe, durch die der Gegner besiegt werden könnte. Mauern wird auch als destruktives Fußballspielen bezeichnet, weil es nicht darum geht, dem Publikum zu gefallen, sondern es ist eine Form von Zweckfußball. Der Spielfluss soll zerstört werden, auf dass der Gegner nervös wird und vielleicht Fehler macht, die man selbst ausnutzen kann.
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