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Stabhochsprung in der Leichtathletik

Durch Sprungkraft die Latte möglichst hoch überwinden

Der Stabhochsprung ist eine der vier Sprungdisziplinen und kann als Erweiterung des Hochsprungs angesehen werden. Wie beim Hochsprung nutzt man die eigene Kraft, um eine maximale Höhe erreichen zu können, doch der Unterschied besteht darin, dass man den namensgebenden Stab als biegsames Werkzeug nutzt und somit weit höher springen kann.

Inhalt

Stabhochsprung und seine Entwicklung

Der Stabhochsprung hat keine klare Herkunft, denn manche meinen, dass diese Art des Sprungs erst im Mittelalter oder später erfunden wurde, andere sehen in der Antike die Herkunft. Genau weiß man es nicht, aber da es auch schon in der Antike hohe Mauern gab, die es bei einer Eroberung zu überwinden galt und man mit Stelzen diese überwinden könnte, liegt der Schluss nahe, dass man auch die Sprungtechnik ausprobiert haben könnte. Immerhin stammte der Diskuswurf auch von der Notwendigkeit ab, den Schild über einen Fluss zu schleudern, was klare militärische Notwendigkeiten bedeutet.

Wie auch immer - ab dem 19. Jahrhundert gab es die ersten offiziellen Bewerbe im Stabhochsprung und bis heute gilt, dass man mit einem biegsamen Stab versucht, die Latte fehlerfrei in maximaler Höhe zu überwinden. Die Männer nehmen seit jeher mit dem Bewerb bei den olympischen Sommerspielen teil, die Frauen haben erst seit 2000 diese Möglichkeit, obwohl es schon viel früher Frauenbewerbe gegeben hatte.

Der verwendete Stab als Werkzeug spielt dabei eine zentrale Rolle. Er bestand ursprünglich aus Holz und ließ Höhen bis 3,5 Meter zu. Bis 1945 war dann Bambus im Einsatz und bot damit Höhen um oder knapp über vier Meter. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Aluminium als Material für den Stab verwendet und man konnte bis zu 4,8 Meter hoch springen.

Die bisher letzte Phase ist Glasfiber und damit kann man noch höher springen - die Männer schaffen Sprünge über sechs Meter wie der Ukrainer Sergej Bubka, der sich stets selbst übertroffen hat oder auch seine Nachfolger, die die Höhe auf 6,15 Meter hochschrauben konnten.

Anlauf beim StabhochsprungBildquelle: pixabay.com / domeckopol

Am 8. Februar 2020 überwand der Schwede Armand Duplantis die Höhe von 6,17 Meter, und zwar beim Indoor-Leichtathletik-Meeting in Torun in Polen. Am 7. März 2022 schaffte er gar 6,19 Meter in der Halle in Belgrad. Bei den olympischen Sommerspielen 2024 in Paris gelang ihm sogar die Höhe von 6,25 Meter, im August 2025 von 6,29 Meter und einen Monat später im Rahmen der Weltmeisterschaften 6,30 Meter.

Stabhochsprung und Hochsprung

Es gibt Überschneidungen zwischen den beiden Sprungarten wie den Anlauf, die Latte und natürlich den Landebereich, aber durch den verwendeten Stab ist der Ablauf des Sprungs natürlich sehr unterschiedlich. Beim Hochsprung springt man verkehrt mit Kopf und Rücken zuerst über die Latte, die Beine folgen. Beim Stabhochsprung werden zuerst die Beine über die Latte bewegt, ehe der Oberkörper folgt.

Sprunganlage: Anlauf oder Anlaufbahn im Stabhochsprung

Während man beim Hochsprung durch die kurvige Anlaufform eine breite Anlauffläche braucht, ist beim Stabhochsprung die direkte Geschwindigkeit vonnöten. Das erfordert einen geraden Anlauf, wie man ihn auch beim Weitsprung nutzt und dieser ist 45 Meter lang und 1,22 Meter breit. Abgegrenzt wird der Anlauf durch seitliche weiße Linien, wobei es ohnehin nicht im Interesse der Teilnehmer liegen kann, abseits der Anlaufbahn zu laufen. Man hat also eine lange Anlaufbahn, um eine hohe Geschwindigkeit zu erzielen.

Obwohl man den Stab mit sich führt und dafür eine eigene Technik braucht, erreichen die Männer Geschwindigkeiten von bis zu 34 km/h, die Frauen etwas weniger Höchstgeschwindigkeit.

Die Latte ist beim Hochsprung ähnlich gestaltet wie beim Stabhochsprung, nur bei Gewicht und Länge gibt es Abweichungen. Metall ist als Material nicht zulässig, denn die Latte ist aus Fiberglas herzustellen. Für den Stabhochsprung ist sie 4,5 Meter lang, also einen halben Meter länger als beim Hochsprung, und besteht aus drei Elementen. Die eigentliche Latte ist der Mittelteil, der durch die seitlichen Endstücke zu beiden Seiten abgeschlossen werden. Das Gewicht der gesamten Latte ist mit zwei Kilogramm als Maximalgewicht festgelegt und der Durchmesser beträgt drei Zentimeter. Die Endstücke haben eine Länge von 15 bis 20 Zentimeter und können verschiedene Querschnitte aufweisen von halbrund bis zu rund mit abgeflachter Unterseite.

Das ist insofern wichtig, als diese Endstücke auf den Auflegern der Seitenpfosten aufliegen. Die Seitenpfosten sind stabile Einheiten mit dem Aufleger, der in der gewünschten Höhe fixiert wird. Diese Aufleger stellen eine kleine flache Fläche dar, auf der die Endstücke liegen können. So kann man im Rahmen eines Wettkampfs die Höhe je nach Bedarf verändern, weil die Pfosten bleiben stabil, die Aufleger werden in der Höhe verändert und die Latte liegt zwischen den Pfosten mit den Endstücken auf den Auflegern.

Eine Vorgabe der Latte ist, dass bei flachem Auflegen eine Krümmung nicht über 2 cm aufweisen darf, weil sich sonst die Höhe zu stark verändern würde.

Beim Stabhochsprung mit dem Stab nach oben katapultierenBildquelle: pixabay.com / domeckopol

Aufsprungmatte

Nach dem erfolgten Sprung muss eine sichere Landung möglich sein und dafür sorgt das dritte Element - die Aufsprungmatte oder auch die Landefläche. Das ist ähnlich dem Hochsprung, aber durch das Einstechen des Stabes als Fixierung in der Mitte der Landefläche gibt es andere Maße. Beim Hochsprung ist eine rechteckige Fläche im Einsatz, beim Stabhochsprung hat man in der Mitte aus Sicht des Athleten den Einstichkasten, wo der Stab den Gegenhalt finden wird und links und rechts die Vorkissen. Dahinter befindet sich der Aufbau mit den Pfosten und der Latte und die Landefläche, die zumindest fünf mal fünf Meter groß sein muss und eine Höhe von 0,8 Meter aufweisen muss.

Der Einstichkasten hat selbst eine Länge von zwei Meter, wobei das Endstück für den Gegenhalt eine Tiefe von 20 cm aufweist. Dort stellt man den Stab mit seinem Endstück auf, um den Gegenhalt aufzubauen und sich mit dem Stab nach oben zu katapultieren.

Wie ist der Stab für den Stabhochsprung aufgebaut?

Man weiß aus den unterschiedlichsten Sportarten, dass es enge Regeln gibt, was die Spielgeräte und etwaige Hilfsmittel betrifft. Aber genau das ist beim Stabhochsprung und dem verwendeten Stab nicht der Fall, denn die Regeln besagen nur, dass man seinen eigenen Stab verwenden muss. Man darf sich also nicht eines Stabes bedienen, den ein Mitbewerber verwendet, ansonsten hat man erstaunlich viele Freiheiten.

Es steht sogar in den Regeln, dass der Stab aus irgendeinem Material sein darf, er kann beliebig lang und dick sein - nur die Oberfläche muss glatt sein. Dort, wo man den Stab mit den Händen hält, also am Griffende, darf man mit Klebeband für eine bessere Oberfläche sorgen, damit der Stab nicht so leicht aus der Hand rutschen kann. Aber dieses Hilfsmittel muss gleichmäßig aufgetragen sein, damit sich der Durchmesser nicht ändert.

Generell ist also der Stab individuell gestaltbar und das hängt dann auch vom eigenen Empfinden und den eigenen Möglichkeiten ab, wie lange der Stab sein kann und auch, bei welchem Durchmesser man sich besonders wohlfühlt.

Material beim Sprungstab

Interessant ist die Entwicklung, denn natürlich waren die ersten Sprungstäbe aus Holz gefertigt. Doch selbst damit waren Höhen um die 3,5 Meter bis zum Ersten Weltkrieg erreichbar. Die zweite Stufe der Entwicklung kam mit den Bambusstäben und nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Aluminium eingesetzt. Damit waren auch schon Höhen um die 4,8 Meter bei den Männern zu machen. Ab 1961 wurde immer mehr Fiberglas als Material genutzt und damit schaffen es die Männer über 6,0 Meter zu springen, die Frauen haben ihre Leistungen ebenfalls schon über fünf Meter geschafft. So wie Sergej Bubka bei den Männern die ersten Sprünge über sechs Meter erreichen konnte, war Jelena Issinbajeva aus Russland jene Dame, die erstmals über fünf Meter gesprungen war.

Überqueren der Latte beim StabhochsprungBildquelle: pixabay.com / domeckopol

Technik und Ausführung beim Stabhochsprung

Es gibt insgesamt sechs Phasen, um einen erfolgreichen Stabhochsprung umsetzen oder auch zeigen zu können. Die erste Phase ist der Start und dabei beginnt man eigentlich damit, sich seine Hände mit Magnesium oder Harz einzureiben, damit der Stab nicht so leicht aus der Hand rutschen kann. Dann greift der Sportler nach dem Stab, mit einer Hand an seinem Ende und mit der anderen Hand ausgestreckt vor dem Körper und hebt den Stab hoch, sodass das andere Ende in etwa 60 Grad Richtung Himmel zeigt.

Diese Position wird nun mit ersten schnellen Schritten kombiniert, wodurch man in die zweite Phase kommt, dem Aufbau der Geschwindigkeit. Männer können durch das Laufen mit dem Stab dennoch Geschwindigkeiten von 34 km/h erreichen, Frauen sind etwas langsamer. Je höher die Geschwindigkeit ist, desto höher kann später auch der Sprung erfolgen.

Mit Fortdauer des Laufes über die 45 Meter lange Strecke senkt sich der Stab immer mehr und man kommt in die dritte Phase. Diese hat als großes Thema das Aufbauen der Energie, die für den Sprung und seine Höhe nötig ist. Je näher man der Latte und damit auch dem Einstichkasten kommt, umso mehr senkt sich die Spitze des Stabes und letztlich muss man den Stab punktgenau dort ansetzen, damit er einen Widerstand erzeugt. Denn der Stab kann nicht mehr weiter, der Sportler hat aber noch jede Menge Geschwindigkeit mit an Bord, meist um die 26 bis 28 km/h.

Deshalb kommt es zur vierten Phase, dem Absprung. Die Laufgeschwindigkeit und der Widerstand des Stabes ergeben eine Energie, durch die der sich biegende Stab den Sportler nach oben befördert. Er hebt vom Boden ab und sein Gewicht biegt den Stab immer mehr durch. Es folgt sofort die Phase fünf mit dem Flug. Mit beiden Händen hält der Sportler den Stab am Ende fest und mit den Beinen voraus wird er nach oben getrieben.

Landung beim StabhochsprungBildquelle: pixabay.com / domeckopol

Die letzte und sechste Phase ist das Ziel, mit den Beinen voraus die Latte zu überwinden, ohne dass diese zu Boden fällt. Dabei kommt es zu einer Drehung, sodass der Sportler im Gegensatz zum Hochsprung die Latte ansieht, also mit dem Bauch sich über die Latte bewegt. Mit den Beinen voraus fällt er nach der Latte auf den Landebereich oder auch die Landefläche. Hat er alles richtig gemacht, dann bleibt die Latte wo sie war und der Sprung ist gültig.

Wie wird der Stabhochsprung durchgeführt?

Grundsätzlich gilt bei einem kleinen Teilnehmerfeld, dass es ein Finale gibt und alle daran teilnehmen dürfen. Der Bewerb beginnt damit, dass eine Grundhöhe vom Veranstalter und der zuständigen Jury festgelegt wird und mit dieser Höhe beginnen alle ihre Sprünge. So wie beim Hochsprung kann aber jemand auch im Stabhochsprung die Anfangshöhe meiden und später einsteigen - natürlich mit dem Risiko, dass man vielleicht später keine reguläre Höhe überwinden kann und ohne Ergebnis als Schlusslicht ausscheidet. Doch die Leistungsunterschiede sind gerade bei kleineren Leichtathletikmeetings oft sehr groß und daher steigen die Stars dann später erst ein.

Gleich dem Hochsprung gilt auch beim Stabhochsprung, dass man drei Versuche für eine Höhe hat. Hat man dreimal die Latte abgeworfen, dann ist man aus dem Wettbewerb ausgeschieden. Man hat aber auch die Option, nach dem zweiten Fehlversuch die nächste Höhe zu probieren und verzögert damit das Ausscheiden. Allerdings: wenn man bei 4,40 m schon gescheitert ist, ist es fraglich, ob man dann bei 4,45 Meter erfolgreicher sein wird. Dabei ist auch zu beachten, wie die Höhe sich verändert. Im Stabhochsprung wird üblicherweise um fünf Zentimeter nach oben geändert, also nach 4,75 Meter kommt 4,80 Meter usw. Nur im absoluten Spitzenbereich werden individuelle Veränderungen möglich, wenn es zum Beispiel um einen neuen Weltrekord geht. So kann auch ein Weltrekord von mehr als 6,10 Meter entstehen, der mit den 5-cm-Schritten nicht möglich wäre.

Wer drei Fehlversuche bei einer Höhe zu Buche stehen hat, scheidet aus und so dünnt sich das Feld immer mehr aus. Gewonnen hat schließlich, wer die größte Höhe überwinden konnte. Bei gleicher Höhe gelten die vorher gezeigten Sprünge als Kriterium. Wenn dann zum Beispiel Sportler A keinen Fehlversuch zeigte, Sportler B aber einmal einen Fehlversuch hatte, dann hat Sportler A gewonnen.

Was ist, wenn alle anderen schon ausgeschieden sind?

Beim Stabhochsprung kann es jederzeit passieren, dass zum Beispiel bei 5,75 Meter bei den Herren die Konkurrenz gescheitert ist, aber ein Sportler diese überwinden konnte. Er hat damit das Recht, weiterzumachen, er kann sich aber auch mit dem Sieg zufriedengeben, den er sicher in der Tasche hat. Das Prozedere sieht so aus, dass er, solange weiterspringen kann, bis er selbst drei Fehlversuche bei einer Höhe erreicht hat. Dann ist der Wettbewerb beendet. Gerade bei der Chance auf einen neuen Rekord - persönlicher Rekord, Landesrekord oder gar Weltrekord wird man versuchen, diese Höhe auch noch zu überwinden, obwohl der Sieg längst entschieden ist.

Qualifikation im Stabhochsprung

Bei großen Leichtathletikveranstaltungen wie den olympischen Sommerspielen und Welt- oder Europameisterschaften gibt es ein entsprechend großes Teilnehmerfeld. Daher werden zwei Gruppen gebildet und innerhalb der Gruppe wird eine Qualifikation durchgeführt. Dabei wird seitens des Veranstalters und Leichtathletikverbandes die Mindesthöhe festgelegt, die man erreichen muss, um das Finale zu erreichen.

Es handelt sich damit um einen Bewerb im Bewerb, denn man muss mit mehreren Sprüngen eine gute Höhe überwinden können, um einen Platz im Finale sicherstellen zu können. Auch hier gilt, dass die Zahl der Fehlversuche die Reihenfolge beeinflussen kann. Wenn nicht genug Leute die geforderte Höhe erreichen, wird mit der nächstbesten Höhe aufgefüllt, damit das Feld vollständig ein Finale bestreiten kann.

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