Sie sind hier: Startseite -> Sportstorys -> Maskottchen

Das Maskottchen im Sport: Herkunft, Funktion und Praxis

Wie hat es eigentlich angefangen?

Ein Maskottchen ist eine Figur, die einen Verein, ein Team oder eine Veranstaltung symbolisch verkörpert. Im Sport tritt es meist als kostümierte Person auf, die vor, während und nach dem Wettkampf im Stadion oder in der Halle präsent ist. Der Begriff geht auf das französische Wort mascotte zurück, das im 19. Jahrhundert im Sinne von Glücksbringer gebräuchlich wurde und durch Edmond Audrans gleichnamige Operette von 1880 weitere Verbreitung fand.

Historische Entwicklung

Der Ursprung liegt im Glauben an Glücksbringer. Frühe Vereinsmaskottchen waren häufig echte Tiere, die vor dem Spiel über das Feld geführt wurden. Diese Praxis findet sich bis heute vereinzelt im US-amerikanischen Collegesport, wo einzelne Universitäten lebende Tiere als Wappenträger halten.

Die Entwicklung hin zur kostümierten Figur setzte im 20. Jahrhundert ein. Ein wichtiger Bezugspunkt für den internationalen Sport ist die Fußball-Weltmeisterschaft 1966 in England, für die mit World Cup Willie erstmals ein eigenes Turniermaskottchen entworfen wurde. Seither gehört ein Maskottchen zum festen Bestandteil großer Sportereignisse, darunter Olympische Spiele, Fußball-Welt- und Europameisterschaften sowie zahlreiche Ligawettbewerbe.

Ziege als Maskottchen für den 1. FC KölnBildquelle: pixabay.com / jorono

Im nordamerikanischen Profisport entwickelte sich die Rolle ab den 1970er Jahren deutlich weiter. Maskottchen traten dort nicht mehr nur als Symbol auf, sondern als eigenständige Unterhaltungsfiguren mit Choreografien, Interaktion mit dem Publikum und einem klar definierten Charakter.

Funktionen im Spielbetrieb

Das Maskottchen erfüllt mehrere Aufgaben, die sich in der Praxis überschneiden.

Identifikation. Die Figur bündelt Vereinsfarben, Wappen und Selbstbild in einer greifbaren Gestalt. Sie funktioniert damit auch für Zuschauer, die den Verein sonst nur über Ergebnisse wahrnehmen.

Zuschauerbindung, besonders bei Kindern. Für junge Besucher ist das Maskottchen häufig der erste unmittelbare Kontakt zum Verein. Es ist ansprechbar, greifbar und nicht durch das Spielgeschehen gebunden.

Programmgestaltung. Vor dem Anpfiff, in der Halbzeit und bei Unterbrechungen übernimmt die Figur Aufgaben in der Zuschaueranimation, bei Verlosungen oder beim Einlaufen der Mannschaften.

Repräsentation außerhalb des Stadions. Viele Vereine setzen ihr Maskottchen bei Schulbesuchen, Sponsorenterminen, Autogrammstunden oder karitativen Anlässen ein.

Der Darsteller

Die Rolle wird in der Regel nicht sprechend ausgeführt. Kommunikation erfolgt über Gestik, Körpersprache und Bewegung, was eine eigene darstellerische Anforderung darstellt. Bei größeren Vereinen ist die Position bezahlt und mit festen Terminen verbunden, im Amateurbereich wird sie häufig ehrenamtlich besetzt.

Die körperliche Belastung ist erheblich. Ein vollständiges Kostüm ist schwer, die Sicht eingeschränkt und die Temperatur im Inneren steigt bei Bewegung schnell an. Übliche Vorkehrungen sind eingebaute Belüftungssysteme im Kopfteil, Kühlwesten mit austauschbaren Kühlelementen sowie eine Begleitperson, die den Darsteller im Blick behält und Pausen organisiert. Als Faustregel gelten begrenzte Einsatzzeiten mit regelmäßigen Unterbrechungen, insbesondere bei sommerlichen Außenveranstaltungen.

Herstellung und Ausstattung

Vereinsmaskottchen werden in aller Regel nach individueller Vorlage gefertigt, da sie an Wappen, Vereinsfarben oder eine bestehende Figur gebunden sind. Hersteller wie Promobears arbeiten dabei üblicherweise zweistufig: zunächst entsteht eine zeichnerische Vorlage, anschließend die Umsetzung als Kostüm.

Zur Ausstattung gehören neben dem eigentlichen Anzug meist Zubehörteile, die den laufenden Betrieb ermöglichen. Dazu zählen Transporttaschen, Ständer zur formstabilen Lagerung, Ersatzhände und Ersatzschuhe sowie Kühlwesten. Die Lebensdauer eines Kostüms hängt stark von Einsatzhäufigkeit, Pflege und Lagerung ab.

Abgrenzung verwandter Begriffe

Vom Maskottchen zu unterscheiden ist der sogenannte Einlaufkind-Begleiter, also Kinder, die mit den Spielern das Feld betreten. Im deutschen Sprachgebrauch werden diese teilweise ebenfalls als Maskottchen bezeichnet, meinen aber eine andere Rolle.

Ebenfalls abzugrenzen sind Turniermaskottchen, die nur für die Dauer einer Veranstaltung existieren, von Vereinsmaskottchen, die über Jahrzehnte hinweg zum festen Bestandteil der Vereinsidentität werden können.

Pfad zu dieser Seite