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Fluchtgruppe im Radrennen

Prinzip Hoffnung auf den Sieg

Es gibt Rennen als Eintagesrennen und als Etappe einer Rundfahrt im Radsport, bei denen man vor dem Start schon weiß, was am Ende passieren wird, nämlich ein Massensprint und somit gibt es großes Interesse der Sprintermannschaften, es zu diesem kommen zu lassen. Und dennoch gibt es bei jedem dieser Rennen eine Fluchtgruppe.

Fluchtgruppe: Auf und davon

Manchmal hat man das Gefühl, als ob die armen Kerle ausgelost wurden, die dieser Fluchtgruppe angehören, denn wenn ein Rennen 200 km nur flach verläuft, haben diese Fahrer keine Chance. Sie können einen Vorsprung von zehn Minuten herausfahren, aber die Sprintermannschaften, also jene Teams mit aussichtsreichen Sprintfavoriten, werden rechtzeitig die Fahrt aufnehmen, die Geschwindigkeit erhöhen und Zug um Zug den Rückstand aufholen, sodass meist zehn Kilometer vor dem Ziel die Flüchtenden gestellt werden. Dann wird der Sprint vorbereitet und es nimmt alles seinen gewohnten Lauf.

Und dennoch gibt es bei jeder Etappe und bei jedem Eintagesklassiker die Fluchtgruppe. Sie ist die Animation des Rennens, weil sonst könnten die Profis auch mit 30 km/h durch die Landschaft radeln und sich die Gegend anschauen, ein paar Fotos machen und sich über das bevorstehende Abendessen unterhalten.

Die Fluchtgruppe zwingt das Hauptfeld und hier vor allem die Sprintermannschaften eine Aufholjagd zu beginnen. Dabei ist der Begriff Fluchtgruppe relativ zu sehen, weil man spricht bereits von einer Gruppe, wenn sich zwei Fahrer aus dem Feld gelöst haben. Eine Fluchtgruppe kann aber auch bis zu 20 Fahrer beinhalten und bei manch skuriller Etappe der Tour de France waren schon einmal 40 Fahrer gesichtet worden, wobei man dann schon von einem kleinen Hauptfeld sprechen kann.

Es gibt auch sehr aggressive Fahrer, die immer wieder angreifen, obwohl sie immer wieder gestellt werden. Die Attacke hat mehrere Hintergründe: einer ist Werbung für den Sponsor des Teams, denn die Fluchtgruppe ist immer wieder live im Fernsehen zu sehen und damit ist man eine bevorzugte Werbeplattform. Ein anderer Grund ist natürlich das Prinzip Hoffnung, denn es könnte ja doch sein, dass es sich einmal ausgeht und die Flüchtenden vor dem Hauptfeld das Ziel erreichen. Manchmal beginnt es stark zu regnen und im Hauptfeld hat keiner Lust, bei dem miesen Wetter die Arbeit zu leisten und schon hat man eine Chance. Es gab sogar schon Etappen bei Giro, Tour oder Vuelta, bei der so eine Situation dazu führte, dass die Fluchtgruppe mit 20 Minuten Vorsprung vor dem Hauptfeld ins Ziel kommen konnte.

Taktik und Fluchtgruppe

Ein Thema ist der Teamfunk, der in vielen Rennen auch wieder abgestellt wurde, damit man nicht so leicht an Informationen herankommt, wer in der Fluchtgruppe ist und wie man reagieren soll, aber bei den großen Rundfahrten gibt es die Funkinformation weiterhin. Das hat zur Folge, dass genau informiert wird, wer da vorne davonzischen will und ob man das zulassen darf. Ein Favorit wird sich kaum in die Gruppe begeben, wenn er die Rundfahrt gewinnen will, weil a) lässt man ihn ohnehin nicht weg und b) würde er im Feld viel mehr Kraft sparen können.

Trotzdem kann es sein, dass es eine gefährliche Gruppe ist, die sich da zusammenstellt und das ist dann auch nicht so gut für den weiteren Rennverlauf. Auch eine Option ist, dass eines der kleineren Teams unbedingt in der Fluchtgruppe vertreten sein will und die bisherige einholen möchte, um beim nächsten Versuch eine Chance zu haben.

Steht die Fluchtgruppe, dann geht es darum, diese wieder einzuholen. Bei Bergetappen kann es sein, dass man sie fahren lässt, weil kein gefährlicher Profi in dieser Gruppe steckt. Nach ein paar Bergetappen haben die meisten 20 oder mehr Minuten Rückstand und interessieren die Klassementfahrer wenig. Auf einer Flachetappe ist es hingegen schon so, dass man die Gruppe kontrolliert, weil man ja für seinen Kapitän den Sprint anziehen will. Also lässt man sie gewähren, aber nur bis zu einem bestimmten Punkt und ab da wird schnell gefahren, um die Leute wieder einzuholen.

Meist arbeiten die Sprintermannschaften zusammen, was heißt, dass jeder einen Mann abstellt, der im Feld für Tempo sorgt. Es kann aber sein, dass alle eine Mannschaft arbeiten lassen und die hat dann auch irgendwann keine Lust mehr und plötzlich tut sich eine realistische Chance für die Fluchtgruppe auf.

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Während des Rennens ist die Taktik durch die Teilnehmer von Fluchtgruppen geprägt. Man kann wohl alleine auch versuchen, ein Rennen zu gewinnen, das gelingt aber selten. Je mehr mitmachen, umso effektiver kann man sein. Man unterscheiden dann auch Begriffe wie die Einzelreihe von der Doppelreihe. Eine Doppelreihe macht bei zwei Fluchtgefährten keinen Sinn, bei einer großen Gruppe schon eher. Hat man vier oder mehr Fahrer zur Verfügung, dann gibt es mehr Möglichkeiten.

Belgischer Kreisel ist eine Technik in der Fluchtgruppe, um sich gegenseitig zu unterstützen und den Windschatten auszunutzen. Das wird bei der Nachführarbeit im Hauptfeld ähnlich gehandhabt.

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Artikel-Infos

Fluchtgruppe und ihre TaktikArtikel-Thema:
Fluchtgruppe im Radrennen
letztes Datum:
01. 09. 2020

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